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Stadtarchiv
Salzwedel

Interessante Neuzugänge

"Bibliographie zur Kirchengeschichte in Berlin-Brandenburg. Band I: Allgemeines und Altmark" von Uwe Czubatynski (Nordhausen 2013)

Da muß man (auf die Gefahr, blasphemisch zu wirken) "Ein Geschenk des Himmels!" sagen. Dr. Czubatynski, der Leiter des Domstiftsarchivs Brandenburg, bringt ja alle paar Jahre, meist mehr oder weniger unverhofft, etwas Neues und Interessantes auf den Büchermarkt - und oft, so auch hier, hat es mit Büchern, Kirchengeschichte und der Altmark zu tun. Ich erinnere hier nur an das "Evangelische Pfarrerbuch für die Altmark" und an die "Bibliographie zur Geschichte der Orgel in Berlin-Brandenburg".

Er sieht seine "Bibliographie zur Kirchengeschichte in Berlin-Brandenburg" als Weiterführung der "Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg" von Hans-Joachim Schreckenbach (deren Bände 1-4 in den Jahren 1970 bis 1974, der Band 5 [Altmark; mitbearbeitet von Helmut Schönfeld] dann 1986 und der Band 6 [Berichtigungen und Nachträge, Orts- und Personenregister, bearbeitet von Horst L. Petrak] 1997 erschienen) auf einem besonderen Gebiet, nämlich der Kirchengeschichte. Die "Bibliographie zur Kirchengeschichte" soll einmal 3 Bände umfassen; im Band 2 werden die Orte und Teillandschaften des Landes Brandenburg behandelt, im Band 3 Berlin, Preußen, Niederlausitz sowie Personen und Orgeln.

 

BibKBraDer vorliegende Band I kann als durchaus gelungen bezeichnet werden; wer sich für Literatur zur Geschichte der Altmark interessiert, kommt an diesem Buch schon einmal nicht vorbei. Natürlich sind Ergänzungen möglich (und ausdrücklich erwünscht). Band I der "Bibliographie zur Kirchengeschichte in Berlin-Brandenburg" und die Bände 5 und 6 der "Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg" - jetzt auch im Stadtarchiv Salzwedel!

 

"Die Familiennamen der Juden in Deutschland" von Gerhard Kessler (Leipzig 1935)

Dieses Buch dürfte grundlegend für die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte sein; zumindest war es (wenn man die "Benutzten Schriften" und die Anmerkungen durchsieht) eine enorme Fleißarbeit. Titel, Jahr und Ort des Drucks sowie die Erklärung des Autors, diese Arbeit sei "Nebenfrucht einer größeren Arbeit über das "Hofjudentum" in den Jahrhunderten des deutschen Frühkapitalismus" könnten zunächst den Eindruck erwecken, es handele sich um eine politische, wenn nicht gar propagandistische Schrift - kein Eindruck kann falscher sein.

 

Gerhard Kessler (1883-1963) war Wirtschaftswissenschaftler und wirkte seit 1919 zunächst an der Universität Jena, seit 1927 an der Universität Leipzig, wo er 1933 (er war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus) aus politischen Gründen entlassen wurde. Er emigrierte in die Türkei, aus der er 1950 in die BRD zurückkehrte. Das Vorwort dieser wirklich interessanten und wichtigen Bereicherung unserer Archivbibliothek ist "Istanbul, im Januar 1935" datiert. Kessler ordnet die jüdischen Familiennamen nach Herkunft, Bedeutung oder Entstehungszusammenhang in 25 Listen (von "Hebräische Rufnamen" über "Ortsnamen aus dem alten deutschen Volksraum" [dort, in der 6. Liste, finden sich beispielsweise die Namen der in Salzwedel bekannten Familien Bacharach und Bachenheimer] bis "Eintauschnamen der Emanzipations- und Assimilierungszeit"), erläutert geschichtliche Zusammenhänge, führt gleichlautende deutschchristliche Familiennamen an ("Keßler" ist bei ihm in der Liste 16 a "Berufsnamen - Ostjüdisches Handwerk" zu finden; seine eigene Familie ist eine Salzburger Emigrantenfamilie und in den Alpenländern bedeutet "Kessler" "Bewohner eines Talkessels, ein Bauer") und verweist auf spezielle genealogische Forschungen.

 

Ein außerordentlich anregendes und detailreiches Werk, das durch 3 Register (Personen-, Familien- und Sachverzeichnis; Verzeichnis der nichtjüdischen Namen; Verzeichnis der jüdischen Namen) erschlossen und so für konkrete Fragen zur jüdischen Familiengeschichte leicht zu benutzen ist.

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