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10.08.2013 bis 22.09.2013

Kennlinien

Installation von Dr. Anne-Marie Koch

 

Besichtigung: Di - So 13:30 - 16:30 Uhr
Eintritt frei
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Der Ansatz zu dieser Arbeit war zunächst experimentell:

Wie viele Darstellungsmöglichkeiten ergeben sich aus einer Grundform, nämlich dem Linolschnitt eines Fingerabdruckes?

 

Die Analogie zum Menschen liegt nahe, dessen genetische Anlagen weltweit ebenfalls nahezu identisch sind und dennoch eine unendliche Vielfalt der äußeren Erscheinung sowie der individuellen Lebensentwürfe zulassen und hervorbringen. Manche der Drucke sind verwischt -unentschlossen-, andere stehen mit-ten auf dem Blatt -vollkommen entwickelt-, andere sind lückenhaft -verletzt. Die Menge der Darstellungsmöglichkeiten ist überraschend.

Wie weit kommt die Einzeldarstellung jedoch in der Masse zur Geltung? Wie wird das Individuum in der Menge wahrgenommen? Wieviel Individualität ist gewünscht in politischen Systemen, großen Institutionen wie Kirche oder Firma, im menschlichen Miteinander von Familie oder Nachbarschaft?

 

Hier in der Mönchskirche hat der Besucher die Möglichkeit, den Raum zu durchschreiten und zu erleben, wie mit einem kleinen Wechsel des eigenen Standpunktes einzelne Bilder verdeckt werden, während andere ins Blickfeld rücken. Ein Sinnbild für unsere Gesellschaft, in der ein Hinterfragen des eigenen Blickwinkels der Schüssel zu mehr Toleranz und zu mehr Wertschätzung des Individuums sein kann.

Vom Altar aus, auf dem eine Schale mit einer Spirale als Symbol des Lebens, des Beginns ruht, fließt ein unbeschriebenes Blatt durch den Chorraum. Es endet in Asche, aber auch Gold, gerahmt von einer Kreidelinie wie bei einer forensischen Spurensicherung. Diese Projektionsfläche regt an, der Entwicklung der eigenen Individualität nachzuspüren.

 

Die Mönchskirche hat trotz vielfacher Umnutzungen und Vernachlässigungen im Verlauf ihrer Geschichte für mich eine Atmosphäre bewahrt, die solchen Gedanken Raum gibt. Ihre dezente Farbigkeit lässt die zarten und schwarz-weiß gehaltenen Drucke zur Geltung kommen. Die Spuren der Geschichte im Kirchenraum korrespondieren mit den Nutzungsspuren am bereits gebrauchten Papier. Wie Narben fügen sie sich zu einem jeweils einmaligen, kennzeichnenden Bild, so wie Kennlinien in der Physik.

 

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