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12. April bis 26. Mai 2013

Each day begins with sunrising and ends with the sunsetting

von Megumi Fukuda

 

Besichtigung: Di - So 13:30 - 16:30 Uhr
Eintritt frei
megumi

Megumi Fukuda ist 1976 in Hiroshima geboren. Allein die Erwähnung dieses Ortes weckt in vielen Menschen starke Emotionen, die aktuell sicher noch durch die Nennung eines anderen japanischen Ortes übertroffen werden. Fukushima steht für die Katastrophe im Hier und Heute, die aber durch den Atombombenabwurf von 1945 auf Hiroshima ein besonderes Gewicht erhält. Das eine Künstlerin aus Hiroshima von der Geschichte nicht unberührt bleibt mag uns selbstverständlich erscheinen, aber auch Hiroshima lebt, ist heute eine prosperierende Millionenstadt im Südwesten der Hauptinsel Honshu.

 

Megumi versucht in ihrer Kunst auch eine Brücke zu bauen, eine Brücke der Erinnerung und der Mahnung zugleich. Dabei schaut sie nicht zurück, sondern blickt in die Zukunft. Die zweifache Bedrohung durch Atomenergie in ihrer Heimat wirft für die Künstlerin die Frage auf, was wir für die Zukunft erkennen, lernen und tun wollen.

 

Eine Antwort ist sicher unseren Umgang mit Energie und der Natur ganz allgemein zu hinterfragen. Unsere hoch technisierte Welt braucht sehr viel Elektrizität, viel Energie und die Natur soll uns dies zur Verfügung stellen. Insofern sind auch die Alltagsgegenstände, ob sie nun Strom brauchen um zu funktionieren oder einfach Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sind, von Energie abhängig.

 

Wie natürlich das für uns ist, markiert schon der Titel der Ausstellung: "Der Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang". Das klingt wie ein Gemeinplatz, so selbstverständlich, dass niemand von uns darauf kommt, das so auszusprechen. Dabei ist das heute ein Satz, der auch einen ökonomischen Prozess beschreibt. Denn wenn wir heute von Solarenergie sprechen, so ist das Energie, die uns genau in dem Zeitraum dieses Satzes zur Verfügung steht, und zwar im wörtlichen Sinne. Ein abgewandelter Satz des Philosophen Wittgenstein, der nur im ersten Moment absurd erscheint, veranschaulicht das deutlich.

 

Demnach würde Wittgenstein sagen:

"Der Satz: "Die Sonne scheint" ist genau dann wahr, wenn die Sonne scheint". Im Augenblick scheint sie leider nicht, folglich können wir keine Solarenergie zur Verfügung stellen. Das Vorhandensein von Energie wird zum Zufall, wird von der Witterung und dem Tagesablauf bestimmt. Megumi Fukuda verbindet diese Gedanken mit den sogenannten "Unwanted Objects", mit dem "Sondermüll" unserer Wegwerfgesellschaft. Was tun wir mit Gegenständen und Geräten, die wir gebaut und benutzt haben, die wir aber nicht mehr haben "dürfen", weil sie alt unmodern oder kaputt sind?

 

Sie unterliegen dem Zyklus des Werdens und Vergehens, ein Zyklus, der allerdings von uns selbst, von der Konsumgesellschaft geschaffen wurde.

Diese Gegenstände, die auf dem Sperrmüll landen, sind aber Teil des Lebens der Menschen an diesem Ort. Deshalb legt Megumi auch viel Wert darauf, dass die hier gestalteten Objekte, aus Salzwedel stammen. Sie dokumentieren Konventionen, Kultur und Geschichte aus dieser alten Hansestadt.

 

Zu dieser ganz individuellen Struktur gehört auch, dass die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang genau so ist, wie sie hier und heute ist, und das es in Salzwedel eben oftmals bewölkt und regnerisch ist - also anders als z. B. in Süditalien.

 

Ich hoffe Megumi tröstet diese Einsicht darüber hinweg, dass uns die Sonne heute nicht hilft. Das tut allerdings dem Anliegen keinen Abbruch uns zu vermitteln, wie wichtig es ist dem Klimawandel mit einem Energiewandel, und letztlich mit einem Bewusstseinswandel unser selbst, zu begegnen.

Joachim Mikolajczyk

 

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